Neil Young

A Letter Home

Label/AN:  Third Man Records / Reprise, 1541532
Format:  2 LP 180g, 6 x 6" [sic!], CD + DVD, Box

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Rezension

Wissen Sie, was ein Voice-O-Graph ist? Das ist eine etwa telefonzellengroße Bude, die, 1947 entwickelt, eine Zeitlang ein Renner auf amerikanischen Jahrmärkten und Vergnügungshallen (sogenannten “Arcades”) war – ein Automat, in dem man für wenig Geld seine eigene Schallplatte aufnehmen konnte, die dieser dann zuverlässig ausspuckte. Ein solches Artefakt, Zeugnis eines längst vergangenen Amerikas, hat Jack White in seinem Third Man-Studio aufgestellt. Und während eines Besuches bei White in Nashville war Neil Young so fasziniert von der betagten Maschine, daß er spontan beschloß, darin ein komplettes Album aufzunehmen. Ein Album mit alten Songs, solchen von Phil Ochs, Bob Dylan, Bert Jansch, Gordon Lightfood, Willie Nelson, Tim Hardin (ein ganz wunderbares “Reason To Believe”), Ivory Joe Hunter, Bruce Springsteen und Don Everly. Begleitet nur von ihm selbst (einmal mit White als Duopartner), ohne Band. Zu Beginn jeder Seite liest Young einen kurzen Brief an seine verstorbene Mutter, “a letter home”. Die alten Songs, die Intimität, der archaische Sound (man muß die unbereinigte zweite LP der Box hören – wie Field Recordings aus den 1930ern, wie sie dann später auf Folkways Records veröffentlicht wurden): Es ist ein Musikerlebnis ganz eigener Art. Und ein Neil Young-Album, mit dem man so nicht mehr gerechnet hatte. Eine Normalausgabe wird es auch geben, doch was immer man mit Recht gegen den Deluxe-Boxen-Overkill vorbringen mag: Das hier ist schon ein besonders gelungenes Gesamtkunstwerk. Nicht nur wegen besagter “direct from the booth”-Alternativ-Version, auch wegen des schönen Booklets mit den sepiafarbenen Fotos aus den Sessions – vor allem aber wegen der Box mit den unterformatigen Singles auf klarem Vinyl, die das ganze Album noch einmal enthalten, nebst zweier zusätzlicher Tracks. Einer davon ist Dylans “Blowin’ In The Wind” – vor langer Zeit spielte Young den Song in einem elektrischen Gewitter in Grund und Boden und zog damit einen Schlußstrich unter die Hippiekultur. Hier gibt er dem Song seine Unschuld zurück… – Die Auflage ist natürlich limitiert und mit einer Menge Handarbeit verbunden: Das Foto vorne auf der Box ist tatsächlich mit zwei Packband-Streifen fixiert, auf denen dann handschriftlich der Albumtitel steht – jedes Exemplar ist mithin einzigartig! (2014)