Richard Wagner

Das Rheingold

Weitere Interpreten:  Hans Hotter, Gustav Neidlinger, Ludwig Weber, Josef Greindl, Paul Kuen, Georgine von Milinkovic u.a. / Orchester der Bayreuther Festspiele, Dirigent: Joseph Keilberth
Label/AN:  Testament/Decca, SBTLP31390
Format:  3 LP 180g, Box

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Rezension

Es hatte, fast auf den Tag genau, 51 Jahre gedauert, bis diese sagenumwobene “Ring”-Aufnahme endlich veröffentlicht werden durfte. Erstaunlich, wenn man bedenkt, welch großer technischer Aufwand anno 1955 betrieben wurde, um die legendäre, bis heute wohl bedeutendste Nachkriegs-Inszenierung des Wagner-Hauptwerkes überhaupt auf Tonband festzuhalten. Grund für die damalige Nichtveröffentlichung war jedoch nicht nur die übliche Streiterei der ständig in Bayreuth konkurrierenden Labels Decca und EMI, die beide Exklusivverträge mit beteiligten Sängern hatten, sondern auch die grundsätzliche Abneigung des Decca-Produzenten John Culshaw gegen Liveaufnahmen. Zudem jener bereits an seinem Mammutprojekt plante: Der kompletten Studioaufnahme unter Aufbietung aller damals machbaren technischen Möglichkeiten; der von 1959-’65 produzierte daraus resultierende “Ring” unter Georg Solti ist ja auch immerhin bis heute die Referenzaufnahme des Zyklus’ geblieben. Dennoch: Was das Decca-Team aus Kenneth Wilkinson, Roy Wallace und Gordon Parry damals erreichte, war ein tonmeisterliches Wunder. In Bayreuth aufzunehmen, ist auch heute noch problematisch; 1955, mit der gerade erst fertig entwickelten Stereo-Technologie, unter Live-Bedingungen auf ein solches Ergebnis zu kommen, ist einigermaßen unglaublich. Doch nach fünf Wochen des Experimentierens stand die optimale Position für die sechs Neumann M49-Mikrophone – drei im Orchestergraben, drei von der Decke hängend für die Bühne – fest. Und Jahrzehnte später findet sich der verblüffte Hörer im Festspielhaus auf dem grünen Hügel wieder und wird später Zeuge des Jahrhundert-“Rings”. Besetzt mit den besten Wagner-Stimmen der damaligen Welt auf dem Gipfel ihrer Kräfte, das handverlesene Festspielorchester unter der Leitung eines der besten Wagner-Dirigenten überhaupt. Joseph Keilberth, geboren als Sohn von Münchener Eltern in Karlsruhe und daselbst aufgewachsen und ausgebildet, verdankte ein gut Teil seiner Kunst dem in der Fächerstadt (beziehungsweise der dort ansässigen Badischen Staatskapelle) vorherrschenden musikalischen Geist der Wagner-Koryphäe Felix Mottl, dessen Ruf nach Baden Keilberths Vater, ein hervorragender Cellist, einst gefolgt war. Bereits 1950 hatte Keilberth ein Engagement für die “Meistersinger” in Bayreuth abgelehnt, aus Respekt vor dem zwangspausierenden Wilhelm Furtwängler. Keilberth, der stets Rechtschaffenheit vor Karrieredenken stellte, war nicht davon ausgegangen, ein zweites Mal gefragt zu werden – doch folgte zwei Jahre später die Aufforderung der Komponistenenkel Wolfgang und Wieland, den ersten Ring-Zyklus des ‘Neuen Bayreuth’ zu dirigieren. Diese wegweisende Inszenierung Wieland Wagners – die erste, die die peniblen Anweisungen des Großvaters für Bühnenbild und Kostüme vollständig ignorierte, und vielleicht die einzige, bei der das vom Komponisten konzipierte Gesamtkunstwerk dabei nicht zu Schaden kam – bestach durch ein radikal karges Bühnenbild, bei dem weit mehr mit der Beleuchtung erreicht wurde als mit Gegenständen; umso mehr Raum wurde der darstellerischen Kraft der beteiligten Sänger gegeben. Und was für Sänger: Schon im “Vorabend”, also dem “Rheingold”, glänzen mit Hans Hotter (Wotan), Gustav Neidlinger (Alberich), Josef Greindl (Fafner) schon drei Namen, die geradezu zum Synonym für ihre jeweilige Rolle geworden sind. Und die Bühnenatmosphäre, die diese Aufnahme transportiert, kann man nur als frappierend bezeichnen. (“Siegfried” und “Götterdämmerung” sind auf Anfrage auch noch verfügbar). (2006, rec. 1955)