Rezension
Zunächst gilt es, ein weit verbreitetes Mißverständnis aus dem Weg zu räumen: "Analytisch" ist nicht gleichbedeutend mit "emotionslos". Ibragimovas Blick auf Schostakowitschs Konzerte ist analytisch, man könnte auch sagen: schonungslos; nichts wird romantisierend verbrämt. Aber kalt läßt einen das nicht. Die Abgründe im ersten Satz hat man selten so bodenlos erlebt, das fratzenhafte anknüpfende Scherzo kaum je derart diabolisch. Die Intensität ist erschütternd, und wenn Yevgeny Mrawinsky und David Oistrach das Werk bei der Uraufführung genau so aufgeführt hätten, hätte der KGB sie beide und den Komponisten vermutlich noch in derselben Nacht abgeholt. Man ist jedenfalls sehr froh, daß sich das introvertierte zweite Konzert noch anschließt, denn auch für dieses finden Ibragimova und Dirigent Vladimir Jurowski den genau richtigen Tonfall. Nicht, daß dieses Werk nicht auch seine dunklen Seiten hätte, auch ist es gewiß nicht frei von Sarkasmus – aber es hat immerhin auch versöhnliche Momente…! Ibragimova spielt hier übrigens die Urfassung des ersten Konzertes, bei der die für den Solisten sehr anstrengende Kadenz des dritten Satzes quasi übergangslos in das nicht weniger fordernde Finale übergeht – Oistrach, mit dem der Komponist das Konzert nach Fertigstellung durchsprach, hatte um eine kurze Atempause gebeten… Was die Solistin hier leistet, ist denn auch entsprechend beeindruckend! Für Schostakowitsch-Fans wie für Violinfreaks im Allgemeinen ein absolutes Must-Have! (2020/2026)






