Rezension
Eigentlich hat dieses Album keinen Titel, Bandchef Vini Reilly setzte einfach seinen Namen neben den der Band, die hier ohnedies nur noch aus ihm selbst und Drummer Bruce Mitchell bestand. Nicht die einzige Merkwürdigkeit, denn neben Mitchells Drumming, Reillys sagenhaftem Gitarrespiel (auf John Fahey-Level) und Keyboardbeiträgen von Andy Connell (Swing Out Sister) besteht das Album zu einem großen Teil aus Samples – was im Hip Hop natürlich längst üblich war, im Pop aber eher nicht, schon gar nicht im Indie-Bereich. Was Reilly mit seinem neuen Akai-Sampler anstellte, ist heute noch verblüffend. Paradebeispiel ist "Otis", dem großen Soulsänger gewidmet und dessen Originalstimme enthaltend – man muß es gehört haben, der Effekt ist immer wieder unglaublich. Andernorts verwendete Reilly die Stimmen von Tracy Chapman, Annie Lennox und Operndiva Joan Sutherland. Eine Genrezuschreibung ist kaum möglich, es dürfte auch kaum Vergleichbares geben. Ein visionäres Großkunstwerk, was damals natürlich kaum jemand erkannte. (1989/2026)





