Rezension
Art Tatum, Cowells erstes großes Vorbild, kann man in "Ibn Mukhtarr Mustapha" erahnen; das vorangehende "Maimoun" läßt vielleicht eher an Erroll Garner denken – in beiden Fällen sind die Einflüsse freilich gefiltert durch die Schule der Jazzerneuerer, mit denen der Pianist in den Jahren davor gearbeitet hatte: Rahsaan Roland Kirk, Marion Brown, Max Roach, Harold Land / Bobby Hutcherson und natürlich Charles Tolliver, mit dem gemeinsam er 1971 das legendäre Künstler-Label Strata-East gegründet hatte. Der einmalige Ausflug zum ECM resultierte in einem der stärksten Alben seiner Diskographie; ein Werk, das seinem Titel absolut gerecht wird: Oft meint man, es mit Ilusionisten zu tun zu haben. Es ist unmöglich, beim ersten Hören alle Stränge zu verfolgen – es geschieht zu viel. Doch je länger man sich mit dem Werk befaßt, desto mehr wird man feststellen, wie alles ineiandergreift – und daß hier wirklich keine Note überflüssig ist, obwohl es eine Menge sind. Wenn Cowell gleichzeitig den Flügel und ein E-Piano bedient, jenes obendrein noch durch ein Wah-Wah-Pedal jagt, wenn Stanley Clarke auf dem Bass Dinge vollführt, bei denen sich eigentlich die Finger verknoten müßten, wenn Jimmy Hopps wie ein Oktopus am Schlagzeug wirkt, könnte einem gelegentlich schwindelig werden – doch nach und nach begreift man, daß der Zauber nicht in der Virtuosität liegt, sondern in einer höchst subtilen Interaktion der Musiker. Es ist dies übrigens das neben seinen frühen Arbeiten mit Roland Kirk (einige Jahre nach Cowells Zeit in dessen Band) wohl bekannteste Album des sagenhaften Drummers Jimmy Hopps, der auch auf einigen Strata-East-LPs und einzelnen Alben von Sahib Shihab und Pharoah Sanders zu hören ist: Eines des wirklich großen Schlagzeug-Genies, das sich aber leider Ende der Dekade fast ganz aus dem aktiven Musikleben zurückzog. (1973/2926)






