Rezension
Eben gerade erst hatten die Beatles und die Beach Boys Popmusik zu einer hohen Kunstform erhoben ("Freak Out!" erschien tatsächlich zwei Monate nach "Pet Sounds"!), da kamen die Mothers und schlugen alles direkt wieder in Stücke. Oder? Um Schönklang und "Teenage Symphonies" geht es auf "Freak Out!" sicherlich nicht, um Kunst aber schon, auch wenn der Umgang damit nicht übermäßig respektvoll ist. Unüberhörbar ist aber, daß da nicht aus reiner Zerstörungslust drauflos geprügelt wird, sondern daß erstens ein exakt entworfenes Konzept zugrunde liegt und zweitens jemand dahinterstecken muß, der nicht nur alles über die bisherige Geschichte des Rock'n'Roll wußte und nach Belieben daraus zitieren konnte, sondern dessen musikalisches Verständnis weit darüber hinaus ging. So finden sich auf diesem vielleicht großartigsten, auf jeden Fall seltsamsten Debüt der 60er Doo Wop-Fetzen neben Musique concrète und anderen Avantgarde-Tendenzen (es war ja die Musik von Edgar Varèse gewesen, die Zappa überhaupt dazu bewegt hatte, die Musik zu seinem hauptsächlichen Lebensinhalt zu machen!) – und so konnten aus diesem mutierten Samenkorn die beiden antipodischsten Stile des Folgejahrzehnts entstehen: Art Rock und Punk! – Die Jubiläumsausgabe enthält das Album in gleich zwei raren Abmischungen: dem ursprünglichen Mono-Mix und einem "Pre-Master Mix", der erst unlängst auf alten 1966er Bändern wiederentdeckt wurde; auf der fünften LP findet sich eine Auswahl unveröffentlichter Tracks (Studio und live) aus dem parallel erscheinenden 5 CD-Set. Außerdem enthält die Box ein umfangreiches Booklet, eine Reproduktion der legendären "Freak Out Hot Spots!"-Karte, die nur der US-Erstpressung beilag und eine Lithographie. (1966/2026)





