Rezension
Wer die Klavierszene im Blick hat, kam in den letzten Jahren kaum an dem 2009 geborenen Weimarer vorbei: Mit zehn Jahren gewann er als jüngster Teilnehmer den Carl Bechstein Wettbewerb in Berlin, seither einige mehr, Publikum und Kritik liegen dem Teenager in den großen Konzerthäusern zwischen Berlin und Seoul zu Füßen. Mit gerade 16 veröffentlicht er nun sein Debüt bei Deutsche Grammophon – es ist ein ziemlich außergewöhnliches Recital-Album. Zum einen beginnt es mit einer Carl Czerny-Etüde: Der Name des Wiener Musikpädagogen und Komponisten von aberhunderten von Übungsstücken sorgt bei ehemaligen Klavierschülern seit bald 200 Jahren für Unwohlsein; Eichhorn brennt nicht nur ein stupendes Feuerwerk mit dessen Op. 740 No.14 ab, sondern spielt die eigentlich als Geläufigkeitstraining konzipierte Miniatur etwas später auf dem Album noch einmal in Zeitlupe – Czerny selbst wäre über die da aufblühende Schönheit wohl überrascht gewesen. Hier und in einigen anderen Stücken wechselt Eichhorn vom Flügel an ein altes Wohnungsklavier, der gänzlich anderen Klangästhetik wegen: Wärme statt Brillanz. Das Programm ist ansonsten mehr oder weniger direkt mit seiner Heimatstadt verbunden: Liszt natürlich, Bach (der eine seiner ersten Anstellungen in Weimar hatte), Mendelssohn (der dort den greisen Goethe besuchte). Eichhorn scheut sich nicht vor sehr bekannten Werken (Mephisto-Walzer!), muß er auch nicht – seine Interpretationen sind spannend und mitreißend, und was ihm an Reife gegenüber Aufnahmen alter Meister vielleicht noch fehlen mag, hat er an Elan und Begeisterungsfähigkeit. Spannend sind im Übrigen auch die Eigenkompositionen, die er über das Album verteilt hat: Sanfte Klaviermeditationen, allemal gehaltvoller als 90% des sogenannten Neo-Klassik-Repertoires. Auch die Transkription eines Vivaldi-Flötenkonzertes stammt von ihm selbst. Ein starker Einstand. Man würde ihm auch über einen ganzen Abend mit Czerny-Etüden jederzeit gerne zuhören! (2026)





