Rezension
Ein für die heutige Zeit ungewöhnliches Beethovenbild präsentiert der Franzose bei seiner ersten Schallplatten-Aufnahme mit dem wieder übernommenen SWR-Orchester (vor seiner Fusion mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart 2016 hatte er das SWR-Orchester schon einmal geleitet): Hier hören wir nicht den Revolutionär, sondern den Lyriker. Was nicht bedeutet, daß Roth Beethoven übertrieben romantisieren würde, seine Interpretation ist im Gegenteil bemerkenswert transparent, durchsichtig, lenkt den Blick auf viele Details in der Partitur – aber sie ist auch ausgesprochen zart; den Kopfsatz hat man sicher selten so sanft gehört, und das anschließende Allegretto, das man ja auch sehr streng gestalten kann, klingt hier schon fast lieblich – und dabei durchaus sehr überzeugend. Was auch für das dann auffällig lebhafte, beinahe schon vorwitzige "Presto" und den Finalsatz gilt, den Roth fast wie ein barockes Concerto grosso klingen läßt. Wieder ganz anders als die fast zeitgleich erschienenen Symphonien 3 und 5 des Stuttgarter Kammerorchesters unter Thomas Zehetmair – aber nicht weniger neue Aspekte auf ein schon so oft aufgenommenes Stück Standardrepertoire eröffnend. Sie bleibt ein Faß ohne Boden, die klassische Musik… (2026)






