Rezension
Mit Keith Jarretts legendären Klavier-Solo-Werken läßt sich der erste Alleingang des amerikanisch-indischen Pianisten nur bedingt vergleichen. Erstens natürlich ist dies kein Live-Album. Vor allem aber ist Iyer niemand, der sich in seinem Spiel selbst verliert: So wagemutig seine pianistischen Konstruktionen sind, so hat er doch hörbar alle Stränge im Kopf, wie ein Schachspieler, der mehrere Partien gleichzeitig blind spielt. Als reine Kopfgeburten kann man diese Stücke, die eigenen so wenig wie die von Ellington, Monk oder Michael Jackson (eine faszinierende Bearbeitung von "Human Nature"!), aber keineswegs abtun: Es sind zwar hörbar die Werke eines Intellektuellen, aber eines, der seine Hörer dennoch mitzunehmen in der Lage ist. Man folgt jeder neuen Wendung, jedem Haken, den Iyer schlägt, mit Verblüffung, Interesse – aber auch mit echter Begeisterung. Und so komplex sein Spiel auch ist: Es wirkt doch immer zwingend logisch, es läßt den Hörer nicht am Eingang zurück. Was dieses Album mit Jarretts "Köln Concert" gemein hat, ist also zumindest das: Es ist eine der großen und wirklich bedeutenden Solo-Klavier-LPs der Jazzgeschichte. – Im Rahmen der "Past Is Present"-Reihe von ACT Music nun endlich auf Vinyl, limitiert und numeriert! (2010/2026)





