Rezension
Nein, so einen Sound, solche Technik und Musikalität, solchen Flow hatte man bis dahin nicht erlebt. Und man fragt sich, wie das so lange quasi unbemerkt bleiben konnte, warum dieser Mann seine Familie als Schweißer durchbringen mußte, weil die Gagen in den lokalen Clubs nicht reichten, um Frau und sieben Kinder zu ernähren. Er spielte dennoch fast jede Nacht bis in den frühen Morgen, manchmal ging er direkt danach wieder zur Arbeit. Es war dann schließlich Cannonball Adderley, der ihn hörte, vollkommen begeistert war und ihm einen Vertrag bei Riverside vermittelte. Das dort erschienene Debüt stellte seine bisherigen wenigen Aufnahmen (mit seinen Brüdern Buddy und Monk) weit in den Schatten, und da die sowieso kaum jemand mitbekommen hatte, mußte er Zeitgenossen als wie vom Himmel gefallen erscheinen. Was Wes Montgomery hier auf den sechs Saiten anstellt, sind Dinge, die bis dahin als technisch eigentlich unmöglich galten – und bei ihm geradezu unverschämt selbstverständlich klingen, wie aus dem Ärmel geschüttelt, anstrengungslos. Es war nur der Anfang. – Kevin Gray und Steve Hoffman masterten dieses Jahrhundertdebüt vom Originalband; besser klang es wohl noch nie… (1960/2026)




