Rezension
Begreift man die Orgel als eine Art mechanischen Synthesizer, ist es kein Wunder, wenn ein Organist zu einem der bedeutendsten Pioniere für elektronische Musik in Deutschland wurde: Insbesondere "Cybernetics III", konzipiert 1969, sollte sich in seiner Vorwegnahme von Sample-Techniken als absolut wegbereitend erweisen, für die Avantgarde der E-Musik ebenso wie für die Pop-Welt. Davon abgesehen ist das Werk aber auch ein ziemlich irrer Sound-Trip, der auch nach fast 60 Jahren noch ziemlich weit vorne ist (und unbedingt psychedelische Qualitäten hat)! Umseitig findet sich mit Luigi Nonos "Contrappunto dialettico alla mente" – ein Hauptwerk des radikalen (musikalisch wie politisch) Italieners, geschrieben für Zweikanal-Tonband, allerdings unter Verwendung von Stimmen. Durchaus erlesener, beteiligt sind der Kammerchor des italienischen Rundfunks und ein Solistenensemble um die Sopranistin Liliana Poli. Das Werk gilt als eine Art Weiterentwicklung dessen, was Nonos Kollege Karlheinz Stockhausen eine Dekade zuvor mit seinem "Gesang der Jünglinge im Feuerofen" vorgestellt hatte: Ein Schlüsselwerk der elektroakustischen Musik auch dieses! – Mastering von Rainer Maillard. (1970/2026)






