Rezension
Zwar hatte Cavassa bereits 2021 den internationalen Sarah Vaughan-Wettbewerb für Jazzgesang gewonnen, international bekannt wurde sie aber erst zwei Jahre später, als Joshua Redman ihr die Hauptrolle auf seinem Album "where are we" gab; auf dessen Nachfolger "Words Fall Short" gastierte sie dann nochmals. Redmans Begeisterung für das junge Gesangstalent bedurfte keiner Erklärung, das erschloß sich unmittelbar. Nun darf die inzwischen 31jährige Sängerin endlich ihre eigene Blue Note-Diskographie beginnen. Redman und Labelchef Don Was produzierten gemeinsam und stellten Cavassa angemessen hervorragende Musiker zur Seite: Gitarrist Jeff Parker, Pianist Paul Cornish, Larry Grenadier am Bass und Meisterdrummer Brian Blade, Redman selbst gastiert zweimal. Trotz solchem Staraufgebot ist der Charakter ausgesprochen intim, es entsteht der Eindruck eines Wohnzimmer-Konzerts. Es beginnt mit dem Burt Bacharach-Klassiker "Raindrops Keep Falling On My Head", und ohne daß man den Eindruck hat, daß Cavassa sich dafür auch nur im Geringsten anstrengen muß, hat man doch das Gefühl, den Song zum ersten Mal zu hören – und dieses Kunststück bringt sie wieder und wieder fertig, in Jazz-Standards, in brasilianischem Repertoire oder in italienischem. Wer bei "Angelo" immer noch kein glühender Fan ist, mag wahrscheinlich einfach keinen Gesang. (2026)




