Rezension
Michael J. Sheehy kennt sich aus mit den Abgründen des Daseins, er hat in vielen Jahren schwerer Drogenabhängigkeit sicher etliche davon erlebt. Seit Geburt seiner Tochter im Jahre 2017 ist er clean, 2020 setzte er dann auch seine über eine Dekade unterbrochene Solo-Diskographie fort. Seither folgten zwei leider nur virtuell veröffentlichte Songsammlungen – und nun endlich auch wieder ein physisch existierendes Album, das Sheehy nicht ohne Selbstironie Menschen widmet, für die das Leben eine Qual ist. Seine so wunderbar benannte Band The Hired Mourners ist da natürlich auch wieder dabei. Sheehys Kammer-Mitternachts-Folk (der das komplette Gegenteil ist von dem dreckigen Underground-Blues Rock, den er mit seiner Band Miraculous Mule macht) klingt allerdings gar nicht so jammervoll, wie man es unter solcher Vorgabe erwarten könnte – sondern verblüffend warm, und, man darf es ruhig so nennen, im Wortsinne liebevoll. Wer Tindersticks schätzt oder auch die zarteren Momente bei Van Morrison, sollte sich das unbedingt anhören, hier wartet vielleicht eine neue Lieblingsplatte… (2026)






