Anne-Sophie Mutter

East Meets West

Label/AN:  Alpha Classics / ASM Forte Forwards, ALPHA1247
Format:  2 LP 180g

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Rezension

Der Titel ist nicht neu, die Musik schon, und das wird auch auf die in naher Zukunft erscheinenden weiteren Titel des eigens gegründeten Alpha Classics-Sublabel ASM Forte Forwards gelten, denn darauf wird die Geigerin vor allem Werke präsentieren, die zeitgenössische Komponisten für sie schrieben und von denen es bislang keine offiziellen Aufnahmen gibt. Hier sind es zwei Komponisten aus dem westlichen und zwei Komponistinnen aus verschiedenen östlichen Kulturkreisen. Den Anfang macht das jüngste Werk, uraufgeführt erst im April 2025: "Likoo" für Violine solo von der iranisch-niederländischen Komponistin Aftab Darvishi. Das Stück ist inspiriert von der kargen, zerklüfteten Landschaft ihrer persischen Heimat, doch sicher auch von derer gesellschaftlicher Realität, insbesondere aus weiblicher Sicht. Eine Tour de Force, durchsetzt mit Mikrotonalität und komplexer Rhythmik, dabei hochemotional und zutiefst bewegend, nicht zuletzt aufgrund der jüngsten politischen Ereignisse. Gefolgt wird es von "Gran Cadenza", einem Duett für zwei Violinen (hier mit Nancy Zhou als Partnerin) der in Berlin lebenden Koreanerin Unsuk Chin, erstmals aufgeführt im Oktober 2021, in dem die beiden Instrumente sich umkreisen wie etwa Raubtiere bei einem Revierkampf. Nervös, hochspannend, und, da vieles sich in sehr hohen Lagen abspielt, technisch geradezu pervers anspruchsvoll, da hier maximale Intonationsreinheit gefordert ist. Auf der CD-Version folgt nun das Hauptwerk, und es ist, will man das Album als Ganzes hören, sinnvoll, diese Reihenfolge einzuhalten – man muß dafür nur jetzt zur Seite drei springen und sich die zweite für den Schluß aufheben. Es handelt sich um das sechste Streichquartett von Jörg Widman, im Kammermusik-Bereich sicher einer der bedeutendsten lebenden Komponisten, untertitelt "Studien über Beethoven", 2019 komponiert und hier mit Ye-Eun Choi, Muriel Ravazi und Pablo Ferrández grandios aufgeführt. Genialisch verknüpft Widmann Beethovensche Motivik und Kompositionstechnik mit der Gegenwart, es entsteht ein verblüffendes Statement zu Geschichte und Status Quo der Gattung, dessen zutiefst eindrückliche Wirkung der außerordentlich engagierten Interpretation der vier Musiker (Choi war mit Mutter auch Teil der Uraufführungs-Besetzung) geschuldet ist: Elektrisierend! Ganz anders dann der (eigentliche) Ausklang des Albums: Der 1971 geborene Brite Thomas Adès wird auch mit diesem zweisätzigen Konzertstück titels "Air – Homage To Sibelius" seinem Ruf als einer der großen Lyriker (um nicht zu sagen: Romantiker) in der zeitgenössischen Musik gerecht. Ein Werk von absoluter Schönheit und jenseits der materiellen Welt. Der Komponist dirigiert hier das London Symphony Orchestra selbst; die Solistin bestätigt einmal mehr ihren Ruf als Königin des Adagios (und Göttin der hohen Lagen, die vielleicht niemand so klangschön formen kann wie sie): Hier darf man auch gerne an Mutters legendäre Aufnahme von Wolfgang Rihms "Gesungene Zeit" denken… Ein durchweg überragendes Album. Die Vorfreude auf die Fortsetzung der Reihe ist groß! (2026)

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