Rezension
[Text: Sieveking Sound]
„Supergroups“ gab es schon vor der Gründung von Emerson, Lake & Palmer im Jahr 1970. Und viele kamen danach. Aber nur wenige, wenn überhaupt, konnten mit der Chemie des britischen Trios und seiner einzigartigen Kombination aus Virtuosität, Vision und Energie mithalten. ELP beeinflussen noch immer ein Vielzahl von Musikern und selbstbetiteltes Debütalbum ist auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung noch immer ein beeindruckendes Statement für kreative Vorstellungskraft, dramaturgisches Songwriting und musikalische Meisterschaft! „Emerson, Lake & Palmer“ öffneten die Tür zu den unendlichen Möglichkeiten des Progressive Rock, ohne dabei in artifizielle Technik-Exzesse zu verfallen und schafften damit das seltene Kunststück, dass „intellektuelle Musik“ im Mainstream zu etablieren. Das mehrfach mit Gold ausgezeichnete Album bildete den Startschuss für eine außergewöhnliche Karriere, die Keith Emerson (Hammond-Orgel, Orgel, Klavier, Klavinett), Greg Lake (Gitarren, Bass, Gesang) und Carl Palmer (Schlagzeug) noch mehrere Millionen verkaufter Tonträger bescheren sollte.
Auf „Emerson, Lake & Palmer“ werden die musikalischen Einflüsse, die ELP mit sich brachten, in einer einzigartigen Mischung aus Instrumental- und Gesangsstücken deutlich. Da entgegen der üblichen Rockmusik-Konventionen kein fester Gitarrist vorhanden war, steht gegenüber der Rhythmusgruppe aus Greg Lake am E-Bass und Carl Palmer am Schlagzeug zumeist Keith Emersons Tastenspiel im Vordergrund. Dabei treffen Hammond-Orgel-Riffs und Klassikadaptionen in der Tradition der Vorgängerband The Nice auf Synthesizer- und Klaviersoli, die in der erweiterten Harmonik des Jazz verwurzelt sind. Der Großteil des Albums besteht aus Adaptionen klassischer Musikstücke (wie „The Barbarian“, nach dem „Allegro Barbaro“ von Béla Bartók) und Solostücken der einzelnen Bandmitglieder, die oft durch Instrumentalteile erweitert werden. Der Hit „Lucky Man“ und „Take A Pebble“ basieren auf akustischen Balladen von Greg Lake, die denen, welche er auf späteren Alben beisteuern sollte, vorausgehen. In Carl Palmers Solostück „Tank“ bringt dieser mit Bandbegleitung seine unglaublichen Fähigkeiten am Schlagzeug zu Gehör. Das Album wurde vom New Musical Express und dem Rolling Stone bejubelt, wobei letztere schwärmten: „Das ist ein so gutes Album, dass man es am besten als Ganzes hört“. AllMusic vergab viereinhalb von fünf Sternen, und das Internet-Musikportal The Daily Vault lobt das Album als eine „schwindelerregende Mischung aus Keyboardsoli, unglaublicher Bassarbeit, hervorragendem Gesang und kraftvollem Schlagzeug“.
Die im kalifornischen Studio von MoFi liebevoll von den Originalbändern gemasterte und in einer Gatefold-Verpackung im Mini-LP-Stil untergebrachte Hybrid-SACD präsentiert diesen Prog-Rock-Klassiker erstmals in audiophiler Referenz-Qualität: Klar, dynamisch und ausgewogen würdigt diese sammelwürdige Neuauflage den perfektionistischen Ansatz, der sowohl das musikalische Zusammenspiel als auch die Aufnahme der Platte geprägt hat. Sie bringt die epische Dimension, die klangliche Tiefe und die verblüffende Musikalität des Trios zum Vorschein. Alle Aspekte – Texturen, Nuancen, Effekte, Tempowechsel –, die Hand in Hand mit den Kompositionen des Trios gehen, werden in einem raumfüllenden Klangbild und mit präzisen Details wiedergegeben. Der ursprüngliche Realismus der Aufnahme kommt auf dieser MoFi-Neuauflage so zum Vorschein, wie er es verdient hat! Die streng nummerierten Hybrid-SACD kommt selbtsverständlich mit dem legendären Original-Cover-Artwork, auf dem das Gemälde „Bird“ des britischen Künstlers Nic Dartnell abgebildet ist.
Titel
1. The Barbarian
2. Take A Pebble
3. Knife-Edge
4. The Three Fates:
a. Clotho
b. Lachesis
c. Atropos
5. Tank
6. Lucky Man






