Rezension
Man kann kaum davon ausgehen, daß die eigentlich als Saxophonistin innerhalb der New Yorker Avantgarde-Szene bekannt gewordene Musikerin – John Zorn hatte ihr offizielles Debüt "O Sun" produziert – mit der überwältigenden Resonanz auf dieses Album, auf dem sie Gitarre spielt und singt, gerechnet hat: Anfang Juni 2026 konnte man kaum eine Tageszeitung aufschlagen, ohne auf eine ausführliche Rezension von "Eyes Full" zu stoßen, die Feuilletons waren voller begeisterter Artikel dazu. Das Album ist freilich auch überwältigend: Ein Folk-Album (denn das ist es) von solcher Kraft und Energie hat man selten gehört. Amba hatte ihre Emotionen bislang rein instrumental ausgedrückt, doch plötzlich spürte sie, daß da Songs in ihr waren; Songs, die unbedingt heraus mußten. Es sind Lieder vor allem über ihre Kindheit im ländlichen Tennessee, Lieder über einfache Menschen, über, wie Amba selbst sagt, "people who really need to be seen and heard". Es war ein radikaler Schritt, diese Songs aufzunehmen. Amba schnitt sich die Haare ab, nahm sich eine Gitarre (tatsächlich ihr erstes Instrument) und begann; dem Ergebnis hört man das kathartische in jeder Note an. Es hat mit Punk zu tun und sehr viel mit der "American Primitive"-Schule eines John Fahey – bei all der Energie auf diesem Album kann man schnell überhören, was für eine hervorragende Gitarristin sie ist. Begleitet wird sie von einer Band um Ausnahmedrummer Jim White, die jede Nuance von Ambas extremen Emotionen mitgestaltet. Ein Album, das man nicht hört, sondern dem man sich ausliefert. Es ist eine Erfahrung. (2026)






