Rezension
Musiker werden wollte Tyler Perry schon immer. Während seines Studiums am Berklee College of Music bekam er auch viel Lob für seinen Gesang wie für sein Songwriting, aber einen Fuß auf den Boden bekam er an der heimischen Ostküste nicht. Mit dem Mut der Verzweiflung zog er dann nach Los Angeles, hielt sich mit Bürojobs über Wasser und verbrachte jede freie Minute auf kleinen Bühnen, wo immer sich eine Auftrittsmöglichkeit bot. Bei irgendeiner der vielen Open Mike-Nächte hörte ihn dann Jonathan Rado. Der Multiinstrumentalist (Foxygen) und Produzent war begeistert und bot seine Hilfe an. Derart motiviert, schrieb Perry, der sich nun Tyler Ballgame nannte (weil ihm das zu seinem Lebenslauf zu passen schien), über einen Monat fast jeden Tag einen Song, und das Ergebnis (zwölf fanden den Weg aufs Album) ist ein wahres Pop-Meisterstück. Roy Orbison und Harry Nilsson sind wohl die Namen, an die man hier am häufigsten denkt, und Perry muß sich hinter diesen Gesangs-Giganten nicht verstecken: Was für eine Stimme, und wie er sie beherrscht! Die Songs zählen freilich auch zu den schönsten, die in den 1960ern und 70ern niemand geschrieben hat. Rado brachte für ihre Umsetzung nicht nur die richtigen Musiker ins Spiel (etwa Schlagzeugerin Amy Aileen Wood, die man auf Alben von Fiona Apple oder Sharon Van Etten hören kann), sondern vor allem auch sein Vintage-Equipment, um dem Album die perfekte, warm-analoge Klangästhetik zu geben. Ein Wunderwerk, von dem man kaum genug bekommen kann – und ein Versprechen auf eine fabelhafte Diskographie, denn es gibt viele Details in diesen Songs, die aller Arten Möglichkeiten erahnen lassen… (2026)






