Rezension
Eine fünfsätzige Suite – für Streichquartett und die Stimme der 1972 gestorbenen Gospel-Ikone und Aktivistin Mahalia Jackson. Verwendet wurden dafür Aufnahmen aus einem 1957er Konzert, vor allem aber aus einem 1963er Interview, das der seit den 1940ern mit ihr befreundete Journalist und Autor Studs Terkel 1963 mit ihr geführt hatte und in dem sie über einschneidende Erfahrungen sprach, die sie als schwarze Frau in einem durch und durch rassistischen Land gemacht hatte. Die Idee zu diesem Album hatte Kronos-Gründer David Harrington bereits im Jahre 2013, er beauftragte die Komponistin Stacy Garrop mit der Komposition, welche zutiefst bewegende Musik zu Jacksons Stimme schrieb – wobei es schwer zu sagen ist, ob die gesungenen oder die gesprochenen Passagen die stärkeren sind, denn die Ausstrahlung ist in beiden Fällen überwältigend. Das zweite Hauptwerk dieses außergewöhnlichen Albums ist eine Komposition von Zachary James Watkins (vom Experimental-Duo Black Spirituals) – auch hier umspielt die Musik eine Stimme: Es ist die des hochbetagten Clarence Jones, der einst Martin Luther King half, seine Reden zu formulieren. Auch jene vom 28. August 1963. Die Rede, mit der King Geschichte schrieb, indem er vom vorbereiteten Text abwich – nachdem Mahalia Jackson, die zuvor gesungen hatte und nun neben ihm saß, ihm zuraunte: "Tell them about the dream, Martin!" Jones erzählt hier von seinen Begegnungen mit King und Jackson. Auch dies eine Begegnung von Sprache und Musik von ungeheurer Spannung. (2026)






