Rezension
Man glaubt es kaum: Dieser legendäre Musiker, heute 79, wichtigster musikalischer Partner von Patti Smith und nicht zuletzt für die "Nuggets"-Zusammenstellung verantwortlich, die den amerikanischen Garagenrock der 1960er einer neuen Generation erschloß, was tiefe Spuren in der Rockgeschichte hinterließ – dieser Mann hat wirklich noch nie ein Soloalbum aufgenommen. Nicht, daß er keine Songs geschrieben hätte, aber in der Regel waren sie ihm zu persönlich, er behielt sie lieber für sich. Nun beschloß er aber doch, ein paar davon zu veröffentlichen. Am Bass ist sein alter Bandkollege Tony Shanahan zu hören, zumindest auf "Solstice" ist die Patti Smith Group dann quasi komplett: Patti als Koautorin, Jay Dee Daugherty am Schlagzeug. Es sind scheinbar schlichte, klassische Rock-Songs, in Wahrheit aber präzise gefertigte Meisterstücke, und ja, die Texte sind gerne tief und persönlich. Manchmal spielt Kaye akustische Gitarre, generell würde man bei den meisten Songs eher von Americana sprechen als von Punk Rock. Man hört auf diesem Album trotzdem sehr gut, wie wichtig Kaye und Shanahan für die Identität der Patti Smith Group waren und sind. Man hört aber auch noch sehr viel mehr. Auf eine ganz eigene Art ein wichtiges Album, auch wenn Kaye den Rock'n'Roll hier nicht neu erfindet. Wozu auch, das hat er ja 1975 schon gemacht. – Im Moment ist noch unklar, ob die limitierte farbige ("blue bone splash color") überhaupt nach Europa kommt, aber eine schwarze Version wird sicher in Kürze folgen. (2026)






