Rezension
"Reife" war anno 2009 gewiß nicht das erste Wort, das einem im Zusammenhang mit Dohertys Namen einfiel. Doch bei seinem ersten Solo-Album mußte man umdenken. Es war kein Zufall, daß aus Pete plötzlich ein Peter geworden war; sein 30. Geburtstag hatte das enfant terrible der britischen Musikszene offensichtlich zum Nachdenken gebracht. Erstes Zeugnis des "neuen" Doherty war ein Album, von dem seine Fans schon immer gewußt hatten, daß er es machen könne – sein Songwriting-Genie ist ja auch bei den vorangegangenen Arbeiten, sei es mit den Libertines oder seinen Babyshambles, kaum zu überhören, auch wenn die Alben mit Letzteren oft irgendwie unfertig wirkten. Hier hatte er sich nun eben mal kurz konzentriert, sich mit einem anderen genialen Kopf, Graham Coxon nämlich, zusammengesetzt und gezeigt, was möglich war – und das ist eine Menge, vielleicht sogar noch mehr, als selbst seine glühendsten Bewunderer erwartet hatten. Seine Stimme macht ihn von selbst zu einem der interessantesten Sänger (und Erzähler) der Insel; mit Songmaterial der hier zu hörenden Klasse ist er schlicht überragend. Die Libertines sind weit weg; die Akustikgitarre ist das vorherrschende Instrument. Eher weckt dieses Album Assoziationen zum urbritischen, gerne nostalgischen Songwriting eines Ray Davies in den späten 60ern. Wer immer diesem unstabilen Menschen bei Parlophone in den schwierigen Jahren die Stange gehalten hatte: Es ist ihm zu danken. Für eines der größten Songwriter-Alben des Jahrzehnts. (2009/2026)




