Rezension
Connie Converse ist eines der größten Mysterien des amerikanischen Folk. Aufgewachsen im ländlichen New Hampshire, brach sie bei glänzenden Noten das College ab, zog nach New York, kaufte eine Gitarre (das Spielen brachte sie sich selbst bei) und wurde Teil der jungen Folk-Szene im Village. Zeitzeugen erinnern sich an eine äußerlich absolut unscheinbare, konservativ angezogene junge Frau – doch wenn sie anfing zu singen, wurde es still im Raum. Es war nicht nur ihre Stimme – viele ihrer Songs hatten etwas Besonderes, schwer Greifbares. Sie waren, nun ja, anders, klangen gleichzeitig neu und vertraut. Einhelligkeit besteht darüber, daß es sich um ein echtes Ausnahmetalent handelte. Aufnahmen gibt es allerdings kaum. 1954 war sie bei einer Party des Comiczeichners Gene Deitch, wo sie einige Songs spielte – der Hifi-Enthusiast Deitch zeichnete den Auftritt mit seiner Tonbandmaschine auf. Sie selbst nahm zudem so etwas wie ein Album für ihren Bruder auf, der in Ann Arbor an der Universität lehrte. 1961 kehrte sie der Szene den Rücken, zog ebenfalls nach Ann Arbor und arbeite als Sekretärin und Autorin für eine psychologische Zeitschrift. 1974 brach sie abermals ihre Zelte ab, setzte sich in ihren vollgepackten VW Käfer und – verschwand. Ob sie Opfer eine Verbrechens wurde, Suizid beging oder sich einfach nur unsichtbar machte, ist unbekannt. Man hörte nie wieder von ihr. Was bleibt, sind eine Handvoll Aufnahmen, die erstmals 2009 auf CD erschienen; 2015 dann auch auf Vinyl (bereits ein teuer zu bezahlendes Sammlerstück). TMR gibt nun eine neue, um einen neu entdeckten Song erweiterte Ausgabe heraus. Genre-Liebhaber sollten das auf keinen Fall verpassen. (2009, rec. 1954-56/2026)






