Rezension
Düster, ja apokalyptisch beginnt Tori Amos 18. Studioalbum. Was nicht verwundert, denn natürlich bedeutet der Titel nicht, daß Amos ein Interesse für Fantasywelten entwickelt hätte: Die auf Albumlänge beschworenen "Echsendämonen", zynische Feinde der Freiheit, sind sehr konkret, und es bedarf wahrlich keiner Namensnennungen, um zu wissen, wen die Songwriterin da meint. "In Times Of Dragons" ist ein wütendes Album, das in vielen Bildern zum aktiven Widerstand aufruft, und es enthält Amos' bewegendste und beste Songs seit gut 20 Jahren. Die unmittelbare Gefahr, die von den "Lizard Demons" ausgeht, ist permanent spürbar. Es sind allerdings nicht nur die besonders starken Songs, die dafür sorgen, daß die Spannung über vier LP-Seiten gehalten wird (die Gesamtspielzeit liegt bei knapp 76 Minuten, man kann also durchaus von einem echten Doppelalbum sprechen): Das bewährte Kerntrio aus Amos, Bassist Jon Evans und Drummer Matt Chamberlain spielt grandios zusammen; die Atmosphäre ist so dicht, daß man meint, sie anfassen zu können. Und das das Album episch beendende "23 Peaks" ist vielleicht (und ohne am exzellenten Frühwerk kratzen zu wollen) der großartigste Song, den Amos je geschrieben hat. (2026)






