Rezension
Vom Kinder-Fernsehstar zur Dance-Pop-Diva (zumindest in ihrer kanadischen Heimat): Bis hierhin ist die Karriere Morissettes nachvollziehbar. Daß sie dann nach L.A. zog und dort den Mainstream-Produzenten Glen Ballard kennenlernte: auch noch o.k.. Aber daß das Resultat von derer Zusammenarbeit, veröffentlicht knapp zwei Wochen nach dem 21. Geburtstag der Sängerin, eben kein Gebrauchspop war, sondern eines der erstaunlichsten Konsensalben der Pop-Geschichte, ist das große Wunder. Vieles an "Jagged Little Pill" ist eine persönliche Abrechnung mit verflossenen Liebhabern und ehemaligen Produzenten, von denen sich Morissette mit Recht ausgenutzt fühlte, aber die Art, wie sie ihre Wut in Songs ("You Oughta Know") goß, traf einen Nerv. Und zwar nicht (nur) beim Mainstream-Publikum: Morissette fand sich plötzlich als Indie-Ikone wieder, wurde in einem Atemzug mit Liz Phair oder Tori Amos genannt und die Platte im College-Radio rauf und runter gespielt. Das Ergebnis: Mindestens fünf veritable Hitsingles und ein Album, das nicht nur international höchste Chartpositionen erreichte und sogar die Jahrzehnt-Top Ten anführte, sondern das schon kurz nach Erscheinen echten Klassiker-Status hatte… Eine Ultra-HQ-Version war eigentlich längst fällig! (1995/2025)






