Werner Müller Orchestra

Jazz Mutations

Label/AN:  Sonorama, L107
Format:  LP

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Rezension

Als amerikanischer Kriegsgefangener lernte der klassisch ausgebildete Pianist und Violinist den Swing kennen – kaum entlassen, schrieb Müller die Arrangements für die damals heißeste Band Berlins, das Orchester von Kurt Widman, bevor er 1949 die Leitung des Tanzorchesters des neugegründeten Senders RIAS Berlin übernahm. In der Folge stand sein Name für gediegenen Unterhaltungs-Big Band-Sound, der Formel “Swing mit viel String” folgend. Daß man mit einem Apparat aus voller Swing-Band und 18 Streichern, jede einzelne Position mit einem Topmusiker besetzt, auch ganz andere Musik erschaffen konnte, durfte Müller nur in seltenen Momenten zeigen. Eine davon ergab sich, als Müller anno 1961 (wohl im Rahmen eines staatlichen Kulturprogramms) dazu aufgefordert wurde, etwas Anspruchsvolles, Progressives zu erschaffen. Im Studio der Freien Universität Berlin wurden die Ergebnisse am 29. September des Jahres aufgenommen – und niemals veröffentlicht. Die nun wiederentdeckten Bänder offenbaren nicht nur einmal mehr die Qualität des Ensembles (die läßt sich auch anhand der alten RIAS-Aufnahmen erkennen), sondern vor allem das kreative Genie Werner Müllers, der hier aus Bläsern und Streichern eine komplexe, dabei immer noch eingängige Musik schuf, die sich hinter der der interessantesten Formationen des Orchester-Jazz (etwa den Bands von Ellington oder Kenton) ganz bestimmt nicht verstecken mußte. Eine großartige Entdeckung, die den gerne als Biedermann abqualifizierten Bandleader in einem ganz neuen Licht erscheinen läßt! (2018)