Rezension
Wilhelm Backhaus, Jahrgang 1884, lernte die Brahmsschen Klavierkonzerte quasi aus erster Hand kennen: Er hörte sie als Kind, neun oder zehn Jahre alt, mit seinem Lehrer Eugen d'Albert am Klavier – und Brahms selbst am Dirigentenpult. Er hatte mithin über 70 Jahre Zeit, sich mit dem Werk zu beschäftigen, und das Endergebnis (die vorliegende Aufnahme fand zwei Jahre vor dem Tod des Pianisten statt) kann man auf dieser unsterblichen Aufnahme erleben. Es sei vorangestellt: Es gibt strahlendere, dynamischere Interpretationen, Backhaus' eigene aus dem Jahre 1939 zählt dazu. Aber hier wird Brahms' melodischem Einfallsreichtum und der emotionalen Dichte der Komposition auf den Grund gegangen, und der liegt tief. Dieser Brahms muß nicht blenden, er leuchtet warm von innen. Der damals 71jährige Karl Böhm, mithin auch noch ein Kind des "romantischen Jahrhunderts", befand sich damals in einer der besten Phasen seines Schaffens, seine legendären Bruckner-Aufnahmen stammen aus derselben Zeit. Und die Qualität der 1967er Aufnahme aus dem Wiener Sofiensaal erinnert einmal mehr daran, warum Hifi-Enthusiasten von jener Ära als dem "goldenen Zeitalter" sprechen… (1967/2025)






