Rezension
Die Kombination des populären Klavierkonzertes mit dem immer noch vergleichsweise selten gespielten Violinkonzert, das nach seiner Entstehung über 80 Jahre unter Verschluß gehalten wurde, ist keine Selbstverständlichkeit – die 1994 veröffentlichte CD half daher, etliche fast 60 Jahre nach seiner Uraufführung (1937) immer noch verbreiteten Vorbehalte zu zerstreuen. Denn wiewohl das Klavierkonzert natürlich weit vertrauter ist: Das damals Josef Joachim gewidmete, von diesem jedoch nie aufgeführte und nach Schumanns Suizid-Versuch (1854) geheimgehaltene Werk besteht ausgesprochen gut in der direkten Gegenüberstellung! Beide Werke werden hier übrigens ganz betont "romantisch" interpretiert; insbesondere der Umgang mit Tempi ist höchst eigenwillig. So viel Rubato wie im Kopfsatz des Klavierkonzertes hat man seit den Tagen von Felix Mengelberg nur noch selten gehört, doch auch Gidon Kremer spielt mit extremer Emphase und verblüffend langsamen Tempi (insbesondere im Finalsatz, hier über dreieinhalb Minuten länger als in Kremers erster Aufnahme mit Riccardo Muti eine Dekade zuvor!). Zu Recht wurde diese Aufnahme zu einem Bestseller im damaligen Teldec-Katalog; wunderbar, sie endlich auf Vinyl zu bekommen! (1994/2026)






