Rezension
Kann man Mozart perfekter, nuancierter, wunderbarer spielen? Eigentlich nicht, sollte man meinen. Allein Clifford Curzon, in seinen späteren Jahren wie Benjamin Britten Mozartianer mit Leib und Seele, war anderer Ansicht. Dreimal hatte er Mozarts letztes Konzert K. 595 für die Schallplatte aufgenommen, dreimal hatte er die Aufnahme nicht freigegeben. Diese hier fand im September 1970 statt; das ebenfalls eingespielte K. 466 blieb ebenfalls im Archiv. Dabei wird man hier Zeuge einer musikalischen Meisterleistung, einer echten Ideal-Einspielung, jede Note in Curzons Spiel gleicht einer Skulptur, und alles fügt sich zu einem perfekten Bild zusammen, der Blick auf das jeweilige Gesamtwerk geht niemals verloren. Es scheint klar, daß Curzon hier der federführende (oder besser tonangebende) Partner war, aber Benjamin Britten folgt ihm in jeder Nuance. Was Curzon auszusetzen hatte, bleibt schleierhaft. Er wollte K. 595 am Ende seines Lebens noch einmal aufnehmen, doch dazu kam es nicht mehr. Decca verlor keine Zeit nach dem Tod des Künstlers im September 1982, die Aufnahme wurde noch im selben Jahr veröffentlicht. So moralisch verwerflich man solches Verhalten in anderen Fällen finden mag: In diesem Falle wäre es das größere Verbrechen gewesen, die Aufnahmen weiter unter Verschluß zu halten… Die Originalpressung mit der Nummer SXL7007 leidet unter der Spielzeit von jeweils etwa 33 Minuten pro Seite. Das Potential der Kenneth Wilkinson-Aufnahme entfaltet sich auf dieser Esoteric-Ausgabe auf nun zwei LPs erstmals vollständig. Viel Geld, fraglos. Wer Mozart liebt, wird die Ausgabe nicht bedauern. (1982, rec. 1970/2026)






