Rezension
Zbigniew Namyslowski (1939-2022) galt als der "John Coltrane Polens". Nach zwei LPs auf dem polnischen Staatslabel Muza schwappte sein Ruf bereits über den Eisernen Vorhang, und 1964 wurden er und sein Ensemble (Pianist Wlodek Gulgowski, Bassist Tadeusz Wójcik und Drummer Czeslaw Bartkowski) nach London eingeladen, um bei der englischen Decca das erste im Westen produzierte Album polnischer Jazzmusiker aufzunehmen. Ein sensationelles, vorwärtsweisendes Album, das zeigte, daß man in einem Land, in dem Jazz noch keine zehn Jahre zuvor offiziell als "dekadenter Amerikanismus" gegolten hatte, nun Musiker zu entdecken waren, die denen im Heimatland des Jazz nicht nur absolut auf Augenhöhe begegnen konnten (denn den Bop hatte auch diese Band bereits hinter sich gelassen!), sondern der Gattung auch neue, ganz eigene Töne und Klangfarben hinzuzufügen wußten, in diesem Falle etwa solche aus der slawischen Folklore. Auf sieben Eigenkompositionen folgt noch eine leicht ironische Version des alten Gospel-Standards "Ol' Man River", zu dem das Quartett auch absolut eigene Ideen hat… –
Gut erhaltene Originale dieses Meilensteins des (ost)europäischen Jazz sind kaum zu bezahlen; die Faksimile-Neuausgabe wurde von den Herausgebern der exzellenten "British Jazz Explosion"-Reihe entsprechend sorgfältig kuratiert. Sollte man keinesfalls verpassen! (1964/2025)






