Rezension
Jazz? Weltmusik? Ambient? Die gängigen Kategorien griffen schon beim Vorgängeralbum „Vulture Prince“, für das die pakistanische Sängerin mit einem Grammy ausgezeichnet wurde, nicht. Hier tun sie es noch weniger, obwohl mit Vijay Iyer einer der derzeit wichtigsten Pianisten des amerikanischen Jazz dabei ist. Es ist eine seltsame Musik, eine Musik, die Zeit und Platz braucht, um sich zu entwickeln, die von einer unwirklichen, tatsächlich geradezu märchenhaften Schönheit ist, und die man mit kaum etwas vergleichen kann. Iyer und Ismaily kreieren mit Klavier und Synthesizer Klangräume wie Kathedralen, doch ohne jedweden barocken Zierrat im Inneren, licht- und luftdurchflutet. Und wenn Aftabs Stimme dann einsetzt, schmiegt sie sich perfekt in diese Architektur. Zu warm ist ihre Stimme, um als un- oder überirdisch bezeichnet zu werden; es geht eine unmittelbare Menschlichkeit von ihr aus. Als magisch darf man sie getrost dennoch bezeichnen. (2023)