Rezension
In dem von David Eugene Edwards etablierten Gothic Folk versuchen sich längst auch andere, einige sehr überzeugend – aber niemand verkörpert die Rolle des Mad Priest so sehr und so überzeugend wie er. Auf diesem zweiten Soloalbum staunt man einmal mehr darüber, wie Edwards bei all den Dänomen, die in ihm um die Vorherrschaft kämpfen (jedenfalls stellt man sich sein Inneres so vor), es schafft, Alben von derart spannender und anspruchsvoller Architektur zu erschaffen. Den mit seinem Solodebüt "Hyacinth" (2023) eingeschlagenen Weg geht er hier konsequent weiter, läßt sein Banjo gegen elektronische Walls of Sound ankämpfen, gegen tiefe Bass-Drones und Drum Machines. Über allem immer diese Stimme, mehr denn je eine Mischung aus alttestamentarischem Propheten und Hohepriester eines Geheimkultes, bei dessen blutigen Ritualen man besser nicht als heimlicher Zuschauer erwischt wird. Es gibt nicht viel, was sich damit vergleichen ließe, vielleicht der späte Scott Walker. Die Kollegen aus der Gothic Metal-Szene können ob solcher authentischen Intensität nur neidvoll zuschauen. (2026)






