Rezension
Strahlende Klarheit, das ist sicherlich die erste Assoziation zu dieser grandiosen 2018er Aufnahme. Der Chor, mit dem sie entstand, ist einer der besten der Welt, geleitet wurde er von 2006 bis 2023 von Stephen Layton, einem schon fast manischen Musiker, dem die Klangwelten von Händel und Bach ebenso naheliegen wie jene der Gegenwart (er leitete Uraufführungen von Werken von etwa Arvo Pärt, Thomas Adès oder John Tavener). Mit einem phantastischen Ensemble (unter den Gesangssolisten brilliert vor allem Countertenor Iestyn Davies!) läßt Layton hier jenes Bachsche Hauptwerk leuchten, welches der Komponist seinerzeit nur zum eigenen Vergnügen geschrieben hatte – ohne je einen Gedanken daran zu verschwenden, es aufführen zu wollen, denn für die Ensembles seiner Zeit war es viel zu anspruchsvoll. Chöre und Orchester sind nun zwar seit 1750 signifikant besser geworden, Ideal-Aufnahmen wie die vorliegende, in der von den grandiosen Solostimmen (man höre allein Mezzosopranistin Helen Charlston in "Christe"!) bis hin zur luftigen, transparenten Aufnahme wirklich alles stimmt, sind aber nach wie vor selten. Schade, daß Bach sie nicht hören kann. (2018/2026)






