Rezension
Es gab bald schon Nachfolger, die die Entscheidung schwer machten, aber Christopher Hogwoods 1979er "Messias" (oder "Messiah", denn Händel schrieb das Werk in England zu englischem Text, und so wird es hier auch aufgeführt) ist die Wasserscheide: Ab hier war das Werkverständnis ein gänzlich anderes, auch wenn es natürlich "vorbereitende" Interpretationen gab, die sich nach und nach vom romantisch-traditionellen Bild mit getragenen Tempi und großem Orchester verabschiedeten. Christopher Hogwood aber machte einen deutlichen Schnitt: So transparent, so lebendig, mitreißend gar hatte man Händels wohl bedeutendste geistliche Komposition noch nie gehört. Was Hogwood hier tat, ging weit über die Verwendung barocker Instrumente hinaus, er blies den Staub aus den Seiten der Partitur. Auf absolut wissenschaftlicher Basis wohlgemerkt, Hogwood konnte jedes Detail begründen, aber das Ergebnis war eben keine trocken-akademische Kopfgeburt, sondern das Gegenteil davon. Und es paßt alles zusammen: Das schlanke Orchester, der wunderbar agierende Chor (geleitet von Simon Preston!) und natürlich ein überragendes Solisten-Ensemble um Sopranistin Emma Kirkby und Tenor Paul Elliott. Es gibt inzwischen, wie gesagt, viel Konkurrenz; dies aber ist der Meilenstein – damals für viele Bis-dato-Barock-Verächter ein echtes Erweckungserlebnis. Man kann das heute noch sofort nachvollziehen. – Schon die (britische) Originalpressung klang exzellent: Tonmeister John Dunkerley war von Kenneth Wilkinson selbst ausgebildet worden und machte seinem Lehrer alle Ehre. Die von Rainer Maillard gemasterte Neuausgabe wird die Latte wohl noch etwas höher hängen! (1980/2026)






