Rezension
Der Tenorist ist eine der obskureren Figuren im Blue Note-Kosmos. Es gibt außer diesem Debüt als Leader (und einer bis heute immer noch unveröffentlichten Session aus dem Jahre 1968) eine knappe Handvoll Auftritte als Sideman, dann länger nichts, 1973/74 schließlich zwei weitere LPs auf Kleinlabels. Dann zog er sich aus religiösen Gründen aus der Musik zurück, viel mehr ist nicht bekannt. Welches Talent dem Jazz da verloren ging, macht dieses Album sehr deutlich: Zwar noch hörbar von Coltrane beeinflußt, hatte Washington, hier 23, bereits seinen eigenen Stil und Ton gefunden – und barst vor Ideen! "Natural Essence" ist fortgeschrittener Hard Bop, wobei die Avantgarde eine große Rolle spielt, gleichzeitig aber die andere wesentliche Tendenz der Ära, Soul Jazz, mit ins Boot geholt wird. Und die afrikanischen Wurzeln sind auch immer wieder zu hören. All das und obendrein ein aufregendes Solo nach dem anderen von lauter Kollegen, die entweder bald zu großen Namen wurden oder schon einer waren (Woody Shaw, James Spaulding, Kenny Barron, Reginald Workman, Joe Chambers!), garantieren ein außergewöhnliches Hörabenteuer, und man bleibt schier verzweifelt zurück, daß dieses unglaubliche Talent einfach so versickern konnte…! (1968/2026)






