Rezension
Auf die Liturgie der römisch-katholischen Totenmesse wartet man vergebens, Irmin Schmidts "Requiem" ist ein Instrumentalwerk – und selbst das führt in die falsche Richtung, denn Schmidts (teilweise präpariertes) Klavier ist das einzige echte Instrument hier, alles andere sind Naturaufnahmen aus Schmidts Garten in Südfrankreich – und Geräusche, deren Herkunft man vielleicht gar nicht so genau kennen möchte, wie das sehr beunruhigende Stampfen im ersten der beiden seitenfüllenden Teile des Werkes. Das letzte lebende Can-Gründungsmitglied kehrt hier zu seinen Avantgarde-Ursprüngen zurück, als Schmidt bei Stockhausen und Ligeti studierte und etwa John Cages "Atlas Eclipticalis" uraufführte. Sein "Requiem" ist fraglos ein Werk über Vergänglichkeit; ein faszinierendes, hochspannendes Stück Musique concrète mit viel Interpretationsspielraum. Ein Hauptwerk im Schaffen des hier 88jährigen Musikers; es möge nicht sein letztes sein. (2026)






