Rezension
So ganz ein "Lost Album" war das erst 2019 veröffentlichte "Rubberband" ja eigentlich nicht, denn als Warner-Jazz-Chef Tommy LiPuma anno 1985 seine ernsthaften Bedenken zu verstehen gab, war das Projekt weit davon entfernt, abgeschlossen zu sein. Es hätte ein Jazz-Pop-Fusion-Album werden sollen, mit Fokussierung auf die Vokalparts (die aber noch nicht aufgenommen waren; sie wurden nun u.a. von Ledisi, Lalah Hathaway und Medina Johnson eingesungen). Davis brach die Arbeit ab, sein Einstand bei Warner wurde dann "Tutu". Manche Spuren wurden später für das posthume "Doo Bop" verwendet, der Rest blieb im Archiv. Davis' Neffe Vince Wilburn, jr., wurde dann über drei Dekaden später damit beauftragt, das Album zu rekonstruieren und fertigzustellen, und er hat den Job ordentlich gemacht. Das Ergebnis ist, wenigstens für Fans, die auch das Spätwerk des Jazzgottes schätzen, zumindest hörenswert (Davis' Trompeten-Fills und leider rare Soli sind natürlich die Highlights, es gibt aber auch ein paar exzellente Momente von Gitarrist Mike Stern), aber es ist nicht sensationell. Dafür ist es über weite Strecken einfach zu radiofreundlich. Und wäre Miles' selbst von der Sache wirklich überzeugt gewesen, hätte LiPuma vermutlich einen schweren Stand gehabt. Denn dafür, künstlerische Kompromisse einzugehen, war Miles Davis schließlich eher nicht bekannt. (2019/2026)






