Rezension
Keines seiner Idole, von Doc Watson über Tony Rice bis Bela Fleck, hatte je vergleichbaren Erfolg, spielte in Arenen oder führte mit einem Bluegrass-Album die Popcharts an. Irgendwie gelang es dem als William Lee Apostol geborenen Musiker, das Nischen-Genre mit Rock'n'Roll-Charisma zu verbinden, und das ohne musikalische Kompromisse; selbst Giganten wie Willie Nelson oder Bob Dylan bekundeten ihre Bewunderung. Doch dieses fünfte Album klingt nicht so strahlend, wie man es unter diesen Bedingungen erwarten würde, denn es liegt ein schwerer Schatten darauf: Im Juni 2025 verstarb Strings Mutter an einer Überdosis Crystal Meth; Strings (der mit 14 sein Elternhaus verlassen hatte, weil nichts zu essen da war und seine Mutter und sein Stiefvater knocked out loaded in der Ecke lagen) hatte nicht einmal gewußt, daß sie rückfällig geworden war. Verabschieden konnte er sich nicht, aber er widmete ihr dieses Album, dessen Cover eine Collage abbildet, an der sie unmittelbar vor ihrem Tod gearbeitet hatte. In vielen dieser 16 Songs verarbeitet Strings nun das schwierige Verhältnis zu seiner Mutter; es überrascht unter diesen Bedingungen kaum, daß einige seiner bislang schönsten, bewegendsten darunter sind. Beeindruckend ist dabei auch die Band, die diesen Weg mit ihm geht und immer wieder die richtige Balance findet für diese tiefgehenden Songs. (2026)





