Rezension
Diese Aufnahme ist nicht unumstritten – was vor allem an Claudio Abbados Wahl der Tempi liegt. Schon im Kopfsatz sehr eigen, extrem im dritten Satz: Mahlers Anweisung "ruhevoll" befolgt der Italiener mit einem Tempo von 40/Viertel, womit diese Aufnahme die bis dato mit einigem Abstand langsamste war (der Rekord wurde allerdings 2003 von Michael Tilson-Thomas gebrochen). Doch Abbados eigenwillige Interpretation schadet dem Werk keineswegs; tatsächlich gibt es nicht viele Aufnahmen, in denen Mahlers Genie in Sachen Orchestrierung so deutlich wird: Abbados Klanggestaltung ist äußerst transparent, man wird hier viele bislang überhörte Details der Partitur neu entdecken. Und dann ist da noch der vierte Satz, den man selten so licht und hell erlebt hat: Es ist vor allem Frederica von Stade, die Mahlers Wunsch nach kindlicher Naivität hier so perfekt erfüllt wie nur wenige Sängerinnen vor oder nach ihr. – Klanglich gilt diese 1977er Aufnahme aus dem Wiener Musikverein von jeher als ein Glanzlicht, in Rainer Maillards Neuabmischung wird die Leistung von Tonmeister Günter Hermanns noch einmal wesentlich deutlicher. (1978/2026)






