Rezension
Natürlich stellt man sich angesichts der Tatsache, daß hier der nächste große Mahlerzyklus beginnt, so allmählich die Frage, wie viele man eigentlich noch erwerben soll. Aber zumindest dieser Anfang läßt vermuten: Dieser hier könnte besonders spannend sein. Der hier (die Aufnahme stammt von den Salzburger Festspielen 2022) 43jährige Lette hat jedenfalls sehr eigenwillige Ansichten – insbesondere in bezug auf die Tempi! Sowohl der einleitende "Trauermarsch" als auch das berühmte Adagietto sind von anfangs geradezu irritierender Langsamkeit, jeweils etwa drei Minuten länger als üblich. Doch fällt die Musik dadurch keineswegs auseinander – sie atmet in einem anderen Rhythmus als vertraut und ist dabei von fesselnder Dramatik bei eigentlich minimalen dynamischen Mitteln; zudem werden insbesondere im Kopfsatz viele sonst kaum wahrgenommene Details der Partitur hörbar. Das "Adagietto" ist weltentrückter denn je… Die erwähnte Durchsichtigkeit prägt tatsächlich auch die schnelleren Sätze: Generell läßt Nelsons' Gestaltung regelmäßig die gewaltige Größe des Orchesters (die Partitur verlangt gut 100 Musiker) vergessen; viele Passagen klingen nachgerade kammermusikalisch – und auch dies wirkt zwar zunächst sehr ungewohnt, gereicht dem Werk aber nicht zum Schaden. Höchst ungewöhnlich und besonders – und sehr neugierig machend auf die Fortsetzung…! (2026, rec. 2022)






