Rezension
Ein Kernstück des Philips-Klassik-Katalogs seit Erscheinen der Erstausgabe im Jahre 1975! Hier trafen ein Orchester aufeinander, das seit den Tagen von Serge Koussevitzky eine große Sibelius-Tradition pflegte – und ein Dirigent, dem die Tonsprache des letzten großen Romantikers ganz offensichtlich lag (seine Berlioz-Aufnahmen waren ein gutes Empfehlungsschreiben). Der damals entstandene Zyklus bleibt einer der besten der Schallplattengeschichte, mit den Aufnahmen der "Fünften" und "Siebten" als Ersten unter Gleichen: Selten, scheint es, wurde Sibelius' einzigartige Tonsprache so durchdrungen. Was dabei Verdienst des Orchesters ist und was des Dirigenten, ist Spekulation, tatsächlich spielte Davis den kompletten Zyklus noch zweimal ein – keiner der späteren Versuche reicht annähernd an den ersten heran. Wie phantastisch hier jede einzelne Sektion der Bostoner agiert, wird man in dieser Neuausgabe sicherlich besonders gut hören können – denn Rainer Maillard beschloß, die fünfte Symphonie auf zwei Seiten zu verteilen. Die einsätzige "Siebte" füllt die dritte, die vierte wurde für die ebenfalls überragende "Tapiola"-Aufnahme genutzt, dem letzten, 1926 entstandenen großen Orchesterwerk des Komponisten, der sich bald danach gänzlich zurückzog, sich selbst als Anachronismus empfindend. (1975/2025)






