Rezension
Da ist sie also endlich, die berühmte "Paukenschlag"-Symphonie! Eingerahmt von zwei weiteren späten Symphonien, die ebenfalls jeweils ein "Überraschungs"-Element in sich haben. Im Falle der Nr. 90 (eine von drei vom Comte d'Ogny in Auftrag gegebenen Symphonien) schlicht eine Pause im vierten Satz – so lang allerdings, daß das Publikum meint, das Werk sei zu Ende, bevor das Thema – harmonisch nun einen Halbton nach oben verschoben – wieder einsetzt. Bei Nr. 98 ist das Ungewöhnliche der sehr lange Finalsatz (der längste der ganzen Haydnschen Symphonik), der obendrein gegen Ende noch mit einem Cembalo-Solo aufwartet. Antonini, der seine beiden Orchester hier keineswegs abwechselnd dirigiert, sondern beide Klangkörper zusammenfügte, um den gewachsenen Orchestern des späten 18. Jahrhunderts Rechnung zu tragen, gestaltet natürlich abermals sämtliche Werke schon grundsätzlich so spannend, daß sie eigentlich keine Überraschungen brauchen – selbst das so einfache Thema im Andante-Satz der Nr. 94 scheint zu vibrieren, so daß der legendäre Effekt, der der Symphonie den Beinamen gab (korrekterweise "The Surprise", wir sind ja bei den "Londoner Symphonien"!), gar nicht notwendig scheint. Ein Nachteil ist das freilich nicht – abermals kann man nur staunen über das Potential, das Antonini in Haydns Musik freisetzt. Der Bezug zu Rossinis Ouvertüre zur frühen Oper "Die seidene Leiter", etwa zwei Jahre nach Haydns Tod entstanden, ist zwar unklar – doch missen möchte man diese mitreißende Zugabe auf keinen Fall, sie stellt ein herrliches Finale dar für eine weitere überragende Haydn-Performance! (2024/2026)






