Rezension
Lange hatte der West Coast-Drummer Lawrence Marable nach einem, DEM neuen Talent am Tenorsaxophon gesucht. 1956 hatte er es gefunden, und wenn man das resultierende Album hört, muß man sich wirklich fragen, warum jenem James Clay (der der eigentliche Leader dieser Session ist, weswegen die Platte ja auch "Tenorman" heißt und nicht "Drummer") der Durchbruch schließlich versagt blieb. Sicher, er mußte in einem entscheidenden Karrieremoment zur Armee, aber einen solchen Einschnitt haben andere auch überlebt. Clay ist hörbar von Sonny Rollins beeinflußt (aber die meisten Frühwerke großer Solisten knüpfen an irgendeinem Vorbild an), doch ebenso hörbar ist der Elan, die Dringlichkeit seines Spiels: Der Mann hatte etwas mitzuteilen. Dennoch blieb seine Diskographie nach diesem fulminanten Debüt auf dem kleinen Jazz: West-Label sehr überschaubar; als Sideman bei Wes Montgomery und später Ray Charles war er definitiv unterfordert, und auch ein Comeback-Versuch in den späten 80ern (mit Unterstützung von Don Cherry) brachte zwar gute Kritiken, aber viel mehr auch nicht… tragisch! – Gut erhaltene Originale existieren wahrscheinlich nur noch in fernöstlichen Tresoren, was diese Faksimile-HQ-Ausgabe umso wertvoller macht. (1957/2026)




