Rezension
1976 erschien endlich erstmals offiziell wenigstens ein Teil des Materials, das damals am 22. und 23. Dezember 1965 vom legendären Second Great Quintet des Trompeters mitgeschnitten worden war. Davis, Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und das junge Schlagzeugwunder Tony Williams hatten zwar bereits eine neue Seite im Jazz-Geschichtsbuch aufgeschlagen, auf den Konzerten im Chicagoer Club Plugged Nickel aber wendeten sie ihre revolutionären Ideen nicht wie zuvor auf eigene Musik an, sondern auf Standards – und krempelten diese buchstäblich von innen nach außen. Mit schlichtweg spektakulären Ergebnissen. Es dauerte noch bis 1992, bis endlich alle sieben Sets der zwei Abende veröffentlicht wurden, zunächst nur in Japan, drei Jahre später dann international und sogar auf Vinyl; das Mosaic-Label produzierte eine Zehn-LP-Box, für die meisten Fans freilich unerschwinglich (heute erst recht). Diese zweite Chance sollte man sich auf keinen Fall durch die Finger gehen lassen. Und keine Sorge: Zwar gibt es die eine oder andere Repertoire-Überschneidung, aber viele sind es nicht und eine Rolle spielt es auch nicht, denn das Quintett wiederholte sich nicht – die Versionen unterscheiden sich kraß! Diese Band war ein Kreativ-Vulkan, eine Naturgewalt. Noch 60 Jahre später sitzt man davor und staunt... Siebeneinhalb Stunden Hochspannung. Ein absolutes Must-Have! (1995, rec. 1965/2025)






