Rezension
Der zweite Streich der Rachel Agatha Keen. Auf das mit sechs Brit Awards ausgezeichnete Debüt etwas folgen zu lassen, ist keine leichte Aufgabe. RAYE begegnete ihr mit dem Prinzip "Mehr ist mehr", was normalerweise schief geht. Hier nicht. Die Sound-Wände aus Streichern und Bläsern sind gewaltig, aber sie erdrücken nicht, denn RAYE überstrahlt sie, als wäre es nichts. Sie ist die geborene Diva, es gab schon länger keine mehr von solcher Klasse – und solch authentischer Ausstrahlung. Da kann selbst eine Liza Minnelli nur zuschauen. Zwar ist die Klangästhetik von heute, doch zitieren die Arrangements die Swing-Ära ebenso lustvoll wie die Blütezeit des Soul, und die ganze Ästhetik des Albums erinnert an alte Hollywood-Revuen: Man kann durchaus Schwindel empfinden ob des Materialaufwands. Aber RAYE steht vollkommen souverän im Zentrum, diese Welt dreht sich allein um sie. Derartigen natürlichen Glamour hat man schon lange nicht erlebt. Die Erhabenheit strahlt ab, die aufbauende Wirkung, die der Titel verspricht, kann man nicht leugnen. Das ist kein Album, das ist eine Kathedrale… im räumlichen wie im spirituellen Sinne! – Gelbes Vinyl. (2026)




