Rezension
Puccinis Opern sind generell nur bedingt der Verismo-Bewegung zuzuordnen; seine letzte ist es ganz und gar nicht – sie spielt im alten China. Der schwerkranke Komponist konnte sie nicht vollenden, bat aber vor seinem Tod den befreundeten Arturo Toscanini, das Werk "nicht sterben zu lassen". Das von Franco Alfano vervollständigte Werk wurde am 25. April 1926 uraufgeführt, anderthalb Jahre nach dem Tod Puccinis, Toscanini dirigierte – und brach vor Alfanos Schluß in der Mitte des dritten Aktes ab, weil er zumindest für dieses erste Mal nur "reinen" Puccini aufführen wollte. Unmittelbar danach setzte sich "Turandot" auf den internationalen Spielplänen durch. Unter den unzähligen Gesamtaufnahmen gibt es eine Menge, die für Opernfreunde unverzichtbar sind (aus der "Golden Era" etwa Del Monaco/Tebaldi, Callas/Fernandi, Nilsson/Björling). Die 1972er Mehta-Aufnahme mit dem damaligen Decca-Dreamteam Sutherland/Pavarotti steht in der ersten Reihe, bis heute; die Besetzung ist überragend (weitere Rollen sind mit Nicolai Ghiaurov, Tom Krause und Peter Pears besetzt!) – und Mehta läßt das Orchester in allen Farben leuchten, was Tonmeister-Legende Kenneth E. Wilkinson in der Kingsway Hall natürlich perfekt einzufangen wußte. Pavarotti übrigens sang die Partie des Calaf nicht oft – seine Aufnahme der "Nessun dorma"-Arie (aus vorliegender Gesamtaufnahme) wurde dennoch zu einer der populärsten Arienaufnahmen überhaupt, als sie ausgerechnet als Erkennungsmelodie für die Berichterstattung zur Fußball-WM in Italien 1990 zum Einsatz kam… – Die limitierte Neuausgabe zum hundertsten Geburtstag der Oper wurde von Miles Showell in den Abbey Road Studios im Halfspeed-Verfahren vom Originalband gemastert. Die Original-Box steckt zusätzlich im leinenbezogenen Schuber; enthalten ist neben dem üppigen Libretto-Heft auch ein Kunstdruck mit dem Titelblatt der Ricordi-Erstausgabe der Partitur. (1972/2026)






