Rezension
Jeff Tweedy ist bekanntlich ein kritischer Geist, und der Zustand der amerikanischen Gesellschaft erfüllt ihn mit Entsetzen. Protestsongs sucht man auf diesem gleichermaßen schlichten wie opulenten Werk (drei LPs, 30 Songs!) dennoch vergeblich. Stattdessen viel persönliche Philsosophie, Betrachtungen über das Leben und seine Geheimnisse, freundliche Ratschläge, wie man es vielleicht ein bißchen besser machen kann. Keine Wut, keine Resignation, sondern: Wärme. Tweedy nahm das Album mit guten Freunden wie James Elkington, Sima Cunningham, Macie Stewart und Liam Kazar auf, außerdem seinen beiden Söhnen Spencer und Sammy. Die meisten Songs sind akustisch instrumentiert, elektrische Akzente gibt es nur selten. Die Songs wirken spontan, wie aus dem Moment entstanden (manche sind das ja vielleicht auch), die Musik fließt natürlich wie ein in weiten Bögen mäandernder Fluß. Längen gibt es seltsamerweise keine: Man ist fast ein wenig betrübt, wenn das Album nach nicht ganz zwei Stunden dann doch zu Ende ist. Ein erstaunliches Werk, dessen wahre Größe sich erst noch entfalten wird. (2025)






