Rezension
1967 hatte die Koreanerin gemeinsam mit Pinchas Zukerman den renommierten Leventritt-Wettbewerb gewonnen (erstmals war der Preis geteilt worden, da die Jury keine andere Möglichkeit sah). Das führte zu etlichen großen Auftrittsmöglichkeiten vor allem in den USA (wo sie ausbildungsbedingt seit mehreren Jahren lebte); der Durchbruch aber gelang ihr in London – als sie für den erkrankten Itzhak Perlman einsprang und, allen damals noch sehr starken Vorbehalten gegenüber asiatischen "Musikmaschinen" zum Trotze, Publikum wie Kritik so euphorisierte, daß sie unmittelbar danach einen Vertrag bei Decca bekam. Ihr Schallplattendebüt kombinierte dann direkt zwei Schwergewichte des romantischen Repertoires – in denen Chung weniger ihre Virtuosität unter Beweis stellte (dies eher nebenher), als vielmehr ihr tiefes musikalisches Verständnis, eine in ihrem Alter (22) seltene Reife – und eine mitreißende, aber doch kontrollierte Emotionalität. Es dauerte nicht lange, daß die BBC ihre Sibelius-Aufnahme in ihre "Building A Library"-Empfehlungsliste aufnahm – eine Ehre, die nur sehr wenigen Debütanten zuteil wurde. Aber dieses Album markiert nicht nur den glänzenden Start einer Weltkarriere: Das oben erwähnte Klischee über asiatische Musiker hatte ein nicht wegzudiskutierendes Gegenargument bekommen. Auch in dieser Beziehung ein Meilenstein. Wer kein UK-Original (SXL 6493) besitzt, sollte die von Rainer Maillard gemasterte Neuausgabe keinesfalls verpassen! (1970/2026)






