Rezension
Von ihren Boygenius-Aktivitäten mal ganz abgesehen: Wer dieses Album hört, wird sich kaum wundern, daß zwischen Phoebe Bridgers' letztem Soloalbum "Punisher" und diesem ganze sechs Jahre liegen. Denn dies ist nicht einfach ein Singer/Songwriter-Album. Dies ist Art-Pop. Großes Kino. Jeder Song eine klangarchitektonische Meisterleistung, von der inhaltlichen, sprich textlichen Ebene gar nicht zu reden; das Ganze dann auch noch zu einem großen Gebäude vereint (wirklich groß: 17 Songs, fast eine Stunde Spielzeit): Große Album-Kunst. Vier Koproduzenten holte Bridgers ins Boot: Ethan Gruska, Alexander Giannascoli (Alex G), Veteran Tony Berg und den derzeit wohl größten Star seines Berufsstands, Jack Antonoff. Wer nun meint, Bridgers habe um jeden Preis zum Streaming-Megastar aufsteigen wollen, irrt sich gründlich: Kommerziell ist dieses Album keineswegs (auch wenn Bridgers mit großen Melodien durchaus verschwenderisch umgeht). Nein, ihr ging es bei der Hinzuziehung dieser unterschiedlichen Persönlichkeiten ganz einfach um den kreativen Input, sie wollte maximale Vielfalt – und bekam sie. Überfrachtung findet dennoch nicht statt, jeder Soundeffekt, jedes Arrangement dient dem Song und dem Gesamtwerk. Welches zwar sicherlich seine opulenten Momente, aber unterm Strich einen doch eher zurückhaltenden Charakter hat, mit vielen sehr lyrischen, fast stillem Momenten. Ein Album jedenfalls, das auch die höchsten Erwartungen nach der langen Albumpause mit Leichtigkeit übertrifft. Und daran erinnert, wie phantastisch Popmusik sein kann. (2026)





