Dmitri Schostakowitsch

24 Präludien und Fugen (“On DSCH”, Vol. 1)

Weitere Interpreten:  Igor Levit, Klavier
Label/AN:  Sony Classical, 19439889261
Format:  3 LP 180g

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Rezension

Igor Levit ist, das ist bekannt, offensichtlich kein Mensch der bequemen Wege, niemand, der sein Repertoire nach dem Publikumsgeschmack ausrichtet. Schwerer als mit seinem jüngsten Paket freilich kann man sich’s als Künstler kaum machen. Die “Passacaglia On DSCH” des Briten Ronald Stevenson (1928-2015), uraufgeführt 1963, ist eine der längsten durchgehenden Klavierkompositionen der Musikgeschichte, eine pianistische und intellektuelle Tour de force, auch für das Publikum alles andere als leichte Kost (nicht nur aufgrund des ausdrücklich an die Holocaust-Opfer erinnernden “Dies Irae”-Teils). Levit führte das Werk 2019 in der Londoner Wigmore Hall auf – ein Konzert, das wohl keiner der Anwesenden jemals vergessen wird. Dieses Mammutwerk stellt Levit hier dem pianistischen Hauptwerk des Widmungsträgers gegenüber, den 1950/51 komponierten 24 Präludien und Fugen, nach dem Vorbild Bachs durch alle Dur- und Moll-Tonarten gehend (im Gegensatz dazu allerdings nicht in chromatischer Reihenfolge, sondern dem Quintenzirkel folgend). Auch dies allein ist eine bis heute vergleichsweise selten vorgenommene künstlerische Leistung (auch wenn Berührungsängste hier gänzlich fehl am Platze sind; der Zyklus ist durchaus nicht unzugänglich, zeigt Schostakowitsch von seiner intimsten, verletzlichsten Seite und hat nicht wenige geradezu hypnotische Momente). Diese beiden Gipfel der Klavierliteratur des 20. Jahrhunderts in einem Album zusammenzufassen, könnte man Levit beinahe als Überheblichkeit auslegen – die unbedingte Ernsthaftigkeit und Hingabe seiner Interpretationen entziehen diesem Vorwurf aber jeden Boden. Für die Vinylausgabe wurde das Album geteilt; auf diesem ersten sind die “Präludien und Fugen” zu hören. Der zweite mit dem Stevenson-Hauptwerk folgt hoffentlich in Kürze! (2021)