Rezension
War Nina Simone bis dahin in erster Linie als Jazz-Sängerin wahrgenommen worden, so zeigte sie auf diesem dritten Live-Mitschnitt für das Colpix-Label deutlich ihre Affinität zum Folksong (auch in dessen politischer Spielart), ebenso zu den afrikanischen Wurzeln amerikanischer Musik: Da ist eine tief unter die Haut gehende Version von "House Of The Rising Sun" (Bob Dylan hatte den Song da noch nicht aufgenommen!), "Brown Baby" greift den Bürgerrechts-Songs ihrer späteren LPs für Philips voraus, "Zungo" ist ein afrikanischer Work Song. Simones Performance ist in jedem Song dieses heterogenen Programms äußerst intensiv: Sie singt diese Lieder nicht, sie lebt sie. Fraglos eine ihrer wesentlichsten LPs dieser Schaffensphase – viel näher kann man der Faszination ihrer legendären Bühnenpräsenz heute nicht mehr kommen. – Die WaxTime-Neuausgabe auf klarem Vinyl hat ein neues Artwork und enthält mit "Vaynikehu" und "Sinnerman" zwei Bonustracks, mutmaßlich vom selben denkwürdigen Konzert. (1962/2026)






