Rezension
Als Teenager war der 1938 in Paris geborene Sohn von Einwanderern aus Martinique fasziniert von der Musik der Zweiten Wiener Schule (Schönberg, Berg, Webern) ebenso wie vom frühen New Orleans Jazz eines Sidney Bechet. Mitte der 60er dann begeisterte der amerikanische Free Jazz den hochbegabten Trompeter so sehr, daß er selbst nach New York zog, wo er auf Sunny Murray, Frank Wright, Jaki Byard, Marion Brown und andere Musiker der dortigen Avantgarde-Szene stieß und in deren Bands spielte. 1969 kehrte Coursil kurz nach Paris zurück, wo er für das BYG-Label zwei Alben aufnahm, die zu den stärksten Publikationen aus dessen progressiver "BYG actuel"-Reihe zählen. Insbesondere die beide LP-Seiten füllende "Black Suite" ist (vorausgesetzt, man mag Avantgarde-Jazz) eine Platte für die Insel! In Anthony Braxton, der hier Unglaubliches auf der Kontrabass-Klarinette vollführt, hatte Coursil einen kongenialen Partner, um eine Musik zu erschaffen, in der man alle oben genannten Einflüsse nachvollziehen kann. Neben den Franzosen Beb Guérin und Claude Selcloo an Bass und Schlagzeug waren noch Saxophonist Arthur Jones und Pianist Burton Greene aus der New Yorker Szene mit dabei. Braxtons Soli grenzen gelegentlich ans Geräuschhafte, aber grundsätzlich ist diese Musik zwar komplex, aber durchaus melodiös, und was Coursil hier spielt, macht ihn zu einem der aufregendsten und sicherlich auch technisch versiertesten Trompeter jener Ära. Ein unbedingtes Must-Have! (1971, rec. 1969/2026)






